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BNN Artikel vom 9. Juni 1997


Presse

Händels "Messias" in der Lutherlkirche Karlsruhe

Bis hinauf auf strahlende Höhe

Kammerchor der Universität Karlsruhe bot gelungene Aufführung

Es gehört zweifellos zu den Scherzen der Musikgeschichte, daß die Saat der römisch-katholischen Erfindung des Oratoriums als geistliches Gegengewicht zur weltlich-lasterhaften Oper ausgerechnet in protestantischen bzw. anglikanischen Gebieten ihre schönsten Blüten trieb. Und der Messias von Georg Friedrich Händel ist nicht nur das wirkungsgeschichtlich bedeutendste Oratorium, sondern auch das am häufigsten aufgeführte und damit bekannteste und populärste. Kaum jemandem ist der "Hallelujah"-Chor unbekannt, dessen Feinheiten so häufig im uniformen Massengebrüll untergehen. Nicht so beim Kammerchor der Universität Karlsruhe unter der Leitung von Nikolaus Indlekofer, der das Werk jetzt im Rahmen der Unischau in der Lutherkirche aufführte.
Mit leichter und unangestrengter Tongebung, strahlender Höhe, makelloser Diktion und mit großer dynamischer Bandbreite vergegenwärtigte der Chor den Jubel über den allmächtigen Gott in machtvoll aufgebauter monumentaler Steigerung. Doch auch die anderen Chorsätze Händels gelangen überzeugend, klar und. rhythmisch präzise die Koloraturketten, gut durchhörbar die Fugen, locker und gelöst die homophonen Passagen.
Der Text stand im Mittelpunkt der Interpretation, seine musikalische Ausdeutung wurde vom Dirigenten in klaren, großen Gesten dem Chor und dem Orchester vermittelt und von diesen in Klangrede umgesetzt.
Für die Aufführung stand mit dem Ensemble Les Enchantants ein versiertes Barockorchester zur Verfügung, das bei relativ kleiner Besetzung mit Cembalo und Orgelpositiv gleich zwei Continuo-Tasteninstrumente einsetzte. Es musizierte so engagiert und gut gelaunt, ließ sich auch von zwei gerissenen Saiten bei den zweiten Violinen nicht aus der Ruhe bringen, daß die eine oder andere Ungenauigkeit den positiven Gesamteindruck nicht stören konnte.
Einen guten Eindruck hinterließen auch die jungen Solisten Susanne Wilsdorf (Sopran), Joachim Diessner (Altus), Bernhard Scheffel (Tenor) und Olaf Tetampel (Baß). Stilsicher zierten sie die Wiederholungen der Arien aus und sangen kleine Kadenzen. Mit ihrem Gesang, ihrer intensiven Interpretation der Rezitative und Arien machten sie Händels Betrachtungen heilsgeschichtlicher Grundideen faßlich und eindrücklich nachvollziehbar. Eine rundum gelungene Aufführung, die der "Leistungsschau" der Universität zur Ehre gereichte und an Joseph Haydns Worte erinnerte, der, gefragt, warum er so weltzugewandte, optimistische Kirchenmusik schreibe, erklärte: "Wenn ich an den lieben Gott denke, werde ich fröhlich." Das Publikum bedankte sich mit langanhaltendem Applaus.
Birgitta Schmid
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