Händels "Messias" in der Lutherlkirche Karlsruhe
Bis hinauf auf strahlende Höhe
Kammerchor der Universität Karlsruhe bot gelungene Aufführung
Es gehört zweifellos
zu den Scherzen der Musikgeschichte, daß die Saat der römisch-katholischen
Erfindung des Oratoriums als geistliches Gegengewicht zur weltlich-lasterhaften
Oper ausgerechnet in protestantischen bzw. anglikanischen Gebieten ihre
schönsten Blüten trieb. Und der Messias von Georg Friedrich Händel
ist nicht nur das wirkungsgeschichtlich bedeutendste Oratorium, sondern
auch das am häufigsten aufgeführte und damit bekannteste und
populärste. Kaum jemandem ist der "Hallelujah"-Chor unbekannt, dessen
Feinheiten so häufig im uniformen Massengebrüll untergehen. Nicht
so beim Kammerchor der Universität Karlsruhe unter der Leitung von
Nikolaus Indlekofer, der das Werk jetzt im Rahmen der Unischau in der Lutherkirche
aufführte.
Mit leichter und unangestrengter
Tongebung, strahlender Höhe, makelloser Diktion und mit großer
dynamischer Bandbreite vergegenwärtigte der Chor den Jubel über
den allmächtigen Gott in machtvoll aufgebauter monumentaler Steigerung.
Doch auch die anderen Chorsätze Händels gelangen überzeugend,
klar und. rhythmisch präzise die Koloraturketten, gut durchhörbar
die Fugen, locker und gelöst die homophonen Passagen.
Der Text stand im Mittelpunkt
der Interpretation, seine musikalische Ausdeutung wurde vom Dirigenten
in klaren, großen Gesten dem Chor und dem Orchester vermittelt und
von diesen in Klangrede umgesetzt.
Für die Aufführung
stand mit dem Ensemble Les Enchantants ein versiertes Barockorchester zur
Verfügung, das bei relativ kleiner Besetzung mit Cembalo und Orgelpositiv
gleich zwei Continuo-Tasteninstrumente einsetzte. Es musizierte so engagiert
und gut gelaunt, ließ sich auch von zwei gerissenen Saiten bei den
zweiten Violinen nicht aus der Ruhe bringen, daß die eine oder andere
Ungenauigkeit den positiven Gesamteindruck nicht stören konnte.
Einen guten Eindruck hinterließen
auch die jungen Solisten Susanne Wilsdorf (Sopran), Joachim Diessner (Altus),
Bernhard Scheffel (Tenor) und Olaf Tetampel (Baß). Stilsicher zierten
sie die Wiederholungen der Arien aus und sangen kleine Kadenzen. Mit ihrem
Gesang, ihrer intensiven Interpretation der Rezitative und Arien machten
sie Händels Betrachtungen heilsgeschichtlicher Grundideen faßlich
und eindrücklich nachvollziehbar. Eine rundum gelungene Aufführung,
die der "Leistungsschau" der Universität zur Ehre gereichte und an
Joseph Haydns Worte erinnerte, der, gefragt, warum er so weltzugewandte,
optimistische Kirchenmusik schreibe, erklärte: "Wenn ich an den lieben
Gott denke, werde ich fröhlich." Das Publikum bedankte sich mit langanhaltendem
Applaus.
Birgitta Schmid
Artikel als Grafik
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